Dämmen. Dämmen. Dämmen.

10. März 2019 4 Von Stephanie

Einige Wochen sind ins Land gezogen, seit dem letzten Blogpost. Wir haben die Bude trotz Winter warm und trocken bekommen. Bei dem milden Winter aber auch nicht die größte Schwierigkeit. Trotzdem hatten wir schon ab und an Muffesausen…langanhaltender Frost wäre extrem schädlich gewesen. Alles ist gut gegangen, wir konnten fleißig weiter arbeiten und jetzt sind wir wieder voll dabei – es ist noch viel zu tun.

Lange Rede, kurzer Sinn: der Lehm ist trocken und wir haben gedämmt. Es ist wunderbar warm im Haus und schon ein bisschen gemütlich, was vor allem an den Öfen liegt. Das Dämmen an sich war eigentlich gar nicht so schwer. Zuletzt habe ich die Dämmung alleine fertig gemacht, nachdem Georg mir gezeigt hat wie es geht und worauf ich achten muss. Es ist aber zeitaufwendig. Warum? Das lest ihr in diesem Blogpost…

Zunächst aber erstmal zum Dämmmaterial. Aufgrund des Fachwerks müssen wir grundsätzlich darauf achten, dass das Fachwerk atmen kann – das wisst ihr ja schon. Es muss also diffusionsoffen sein, damit das Wasser verdunsten und entweichen kann. Deshalb der Lehm. Jetzt wisst ihr auch, warum alle Fachwerkhäuser früher mit Lehm verputzt wurden. Das Thema diffusionsoffen bestimmt fast jede Entscheidung, die man in Bezug auf den Bau einbeziehen muss. So auch das Dämmmaterial. Wir haben uns für Naturmaterialien und somit für Holzfaserdämmplatten entschieden. Diese Platten sind ideal, um dem Haus die Luft zu geben, die es braucht, aber auch um es gleichzeitig warm zu haben.

Was ihr zum Dämmen braucht

Bevor wir in die harte Schule des Dämmens einsteigen, möchte ich euch einen Überblick über eure Arbeitsmaterialien geben. So vergesst ihr nichts und steht am Tag des Dämmens (es dauert definitiv länger als einen Tag) nicht dumm da. Ihr benötigt

  • Dämmplatten (wir haben 6 Paletten bestellt, knapp zwei sind jetzt noch übrig)
  • Dübel und passende Nägel (gibt es in verschiedenen Längen und Durchmessern, je nach Einsatz)
  • Zollstock
  • Dicken schwarzen Stift (hilft dann beim Markieren)
  • Eine Akku-Handsäge, dazu passende Akkus und ein Ladegerät
  • Eine Holzlatte (um die genauen Linien zum entlang sägen auf der Platte einzuzeichnen)
  • Viel Lehm (wir haben für ca. 100qm Platten 20 Säcke á 30kg gebraucht)
  • Mindestens 2 Glättekellen (wir haben 2 Glättekellen und eine Putzkelle benutzt)
  • Quast
  • Viel Wasser zum Lehm anrühren
  • Mörtelmischer
  • Bohrer
  • Hammer

Los geht´s: how to get your home warm.

So begannen wir mit dem Dämmen im Esszimmer – weil wir hier einfach am wenigsten vorher verputzen mussten. Wichtig beim Dämmen mit den Platten ist der luftdichte Anschluss an die Wand. Um das zu gewähren, werden die Platten mit Lehm an die Wand geklebt. Also Lehm anrühren und los legen. Dazu wird der Lehm auf die Platten aufgebracht und mittels Glättekelle gleichmäßig verteilt. Ihr müsst dabei unbedingt darauf achten, dass der Lehm überall gleich dick ist. Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, wie viel Lehm aufgetragen werden muss in in welchem Winkel man den Lehm abzieht. Das ist alles Übungssache.

Vorbereitung der Platten mit Lehm

Danach werden die Platten an die Wand geklebt. Bei der ersten Platte müsst ihr darauf achten, dass sie bündig zu Wand und zum Boden ist – logischerweise beginnt man unten. Ihr könnt die erste Reihe komplett fertig machen, setzt danach in der zweiten Reihe an. Im Foto oben sieht man ganz gut den bündigen Abschluss der Platten. Das ist wichtig. Je größer die abgedeckte Fläche durch eine Platte, desto weniger Kälte kann in den Zwischenräumen zwischen den Platten hindurchziehen. Desto wärmer ist und bleibt es.

Im Zweiten Schritt werden die Platten angebohrt. Wir haben dazu passende Dübel aus Plastik und zugehörige Plastiknägel benutzt.

Die Platten sind bündig angebracht, durch die Dübel und Nägel sind sie festgemacht.

Achtet darauf, dass die Platten nirgends wackeln. Wir haben jeweils einen Dübel in der Mitte, oben und unten angebracht und dann auch die Platten miteinander verbunden. Dadurch wird garantiert, dass die Platten wirklich anliegen und die Wand auch nicht „wackelt“. Wäre ja blöd, wenn ihr euch mal gegen die Wand lehnt und sie irgendwie an einer Stelle nachgibt. Dadurch wird der Überputz reißen.

Versatz, Baby!

Sobald ihr in der zweiten Reihe angekommen seid, achtet unbedingt auf den Versatz! Das ist das allerwichtigste! Wie gesagt, es dürfen keine langen Ritzen und Schlitze entstehen – dort zieht die Luft durch und im schlechtesten Fall entsteht Kondenswasser. Denkt einfach an eine Mauer oder besser noch ans LEGO-Haus bauen. Die Wand hielt nie, wenn man die Steine bündig aufeinander gesetzt hat. Wurden die Steine aber im Versatz angebracht, gab es ein wunderbares Ergebnis.

Bei Fenstern sollte auch auf Bündigkeit geachtet werden. Schaut euch mal genau das Bild an. Dort seht ihr unsere Vorgehensweise. Die oberen Platten schließen nicht am Fensterrand ab, sondern gehen noch weiter in die Breite des Fensters. Ich bin kein Fachmann, deshalb fehlen mir hier die Fachworte. Aber ich denke ihr versteht was gemeint ist.

Auf der rechten Seite des Fenster sieht man sehr gut, dass die Platten nicht am Ende des Fensters abschließen, sondern noch in der Länge weiter runter gehen

Tricky wird es dann, wenn die Wände – wie bei uns – schief und krumm sind. Dann müsst ihr messen. Und glaubt mir – messen will gelernt sein. Es klingt nämlich einfacher als es ist. Schneidet ihr die Platten nicht korrekt zu, fehlt euch am Ende ein kleines Stück. Auch diese Erfahrung haben wir machen müssen. Das bedeutet, ihr müsst von vorne beginnen und die Platte neu messen, sägen, verputzen, anbringen. Das ist ärgerlich, kostet Zeit und Material. Wir haben deshalb immer, bevor wir den Lehm auf die Platten verteilt haben getestet, ob die Platten auch wirklich in die Lücke rein passen. Es ist ein bisschen wie puzzeln. Kleinere Lücken könnt ihr mit Lehm verschließen.

Berühmte letzte Worte…

Hier noch ein allgemeiner Tipp beim Dämmen: wenn ihr könnt, macht es zu zweit. Einer misst und sägt, einer bringt den Lehm auf und klebt die Platten an die Wand. Der andere kann dann auch noch bohren, dübeln, nageln. Es spart einfach Zeit. Ich habe zum Ende willentlich das Ankleidezimmer alleine gedämmt. Es hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich beim Sägen zum tausendsten Mal ansetzen musste, weil eine Stelle an der Platte noch nicht gepasst hat. Am Ende bin ich aber sehr stolz auf meine Leistung. Mein Augenmaß ist so viel besser geworden und ich konnte mal wieder über meine Grenzen hinaus wachsen. Ich lerne jeden Tag dazu. Wenn man dann noch Ergebnisse sieht, wird es noch besser.

Fertiges Ankleidezimmer. Hier seht ihr alle wichtigen Aspekte auf einen Blick. Bündigkeit, die Besonderheit der Fenster, die Bohrung.

Im nächsten Schritt werden wir Schlitzen und die Stromkabel verlegen. Das heißt nochmal viel Arbeit und Hirn nutzen – auch da gibt es vieles zu beachten, vor allem an Sicherheitsvorgaben und -maßnahmen. Dazu folgt dann aber ein neuer Blogpost…Bis dahin könnt ihr uns aber gerne bei Instagram folgen.

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